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Skizzen Batik

Batik Studium von W. B. Probst von 1971 bis 1975 in Yogyakarta in Java, Indonesien.

Dieser Text stammt aus dem Büchlein „Das Harte und das Weiche“ 1978 von W. B. Probst… kommentiert von Robert Osterwalder.

Der ausdrucksvollste Batik ist zweifelsohne der Skizzenbatik. Auch dem begabten W. B. Probst war es erst am Ende seiner technischen Entwicklung möglich, ihn voll auszuschöpfen. Der Skizzenbatik ist der echteste Batik, bei dem weniger Farben (oft nur eine oder zwei Färbungen), sondern mit flink und von leichter Hand aufgetragenen verschiedenen dicken Wachsschichten gearbeitet wird. Diese Art mag sicher am meisten zu begeistern, denn die vielen durch Kracken erzeugten Bruchstellen des Wachses lassen jene bezaubernd leichten, fast transparenten Bilder entstehen, die wir für den Batik als typisch empfinden.

W. B. Probst befasste sich mit dieser raffinierten Technik in zwei Phasen. 1973 begann er mit einem ersten Akt. (Nr. 24), dem im gleichen Jahr weitere Aktstudien folgten. Doch mit dem Erreichten gab er sich nicht zufrieden; er wusste sich technisch nochmals eindrucksvoll zu steigern. Da der heisse Wachs immer ins Gewebe eindringt und erfahrungsgemäss eine weisse Stelle zurücklässt, fragte sich W. B. Probst, wie dabei wohl dunkle, ja sogar schwarze Linien erreicht werden konnten. Was er nun herausfand, kam ihm beim nuancenreichen Skizzenbatik sehr zu gute. In der Einsamkeit der weltberühmten buddhistischen Tempelanlage von Borobudur liess er ein Jahr später jene majestätischen Antlitze und Gestalten der reichhaltigen Steinreliefs mit Wachs aus dem Tjanting fliessen, deren himmlische Ruhe unnahbare Würde sie zu Boten eines andern Reiches machen, der Wirklichkeit schon fast entrückt. Mit diesen Bildern bietet uns W. B. Probst wirklich Skizzenbatik in Vollendung.

Die in Indonesien geschaffenen Batikbilder, geschaffen in den Jahren 1971 – 75, veranschaulichen den inneren und äusseren Werdegang des Künstlers Jede seiner während dieser Zeit erlernten Techniken hat unter ihnen ihre typischen Repräsentanten gefunden. Sie lassen erahnen, zu welch weiteren Entwicklung W. B. Probst auf diesem Gebiete fähig gewesen wäre. Spuren davon schimmern in der „Sinnlichkeit“ auf, wo in kombiniertem Verfahren von Wachs- und Knüpfbatik mit den sich aus dem Liniengewirr lösenden menschlichen Zügen eine überraschende, fast beklemmende Transparenz erreicht wird. Aus der chaotischen Welt der Gefühle steigt würdevoll ein stummes Antlitz auf. Damit ist verinnerlichter Batik entstanden. Ansätze dazu waren schon in früheren Jahren sichtbar, so beispielsweise im „Wunschtraum“, einem tiefenpsychologischen Mandala vergleichbar, das Bild als Ausdruck einer wirren Seelenlage.

Aber diese Batiktendenzen blieben in ihren Anfängen stecken, das Werk damit gleichsam unvollendet, denn die Heimkehr schuf eine einschneidende Zäsur. Die neuen Lebensumstände erforderten einen anderen Arbeitsstil. Es wurde undenkbar, an einem einzigen Batikbild bis zu einem Monat zu arbeiten. Praktische Überlegungen nahmen Einfluss auf die künstlerischen Ideen; die Notwendigkeit des Lebensunterhaltes behinderte die uneingeschränkte Verfolgung künstlerischer Ziele. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Der „Sonnenuntergang“, der vielleicht schon 1974 das baldige Ende des „indonesischen“ Batiks ankündigte, lässt sich einen „Sonnenaufgang“ erhoffen und damit eine Fortsetzung dieser grossartigen Serien von Batikgemälden.

 

 

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