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Batik

Batik Studium von W. B. Probst von 1971 bis 1975 in Yogyakarta in Java, Indonesien.

Dieser Text stammt aus dem Büchlein „Das Harte und das Weiche“ 1978 von W. B. Probst… kommentiert von Robert Osterwalder.

Die alte, traditionsreiche Kunst der Batikmalerei erfuhr W. B. Probst mit besonderer Intensität während seines vier jährigen Indonesienaufenthaltes. Damit traten nach dem figürlichen Schmieden und den Linien des Zeichnens die Farben neu in seinen Wirkungskreis. Eine seltsame fast magisch-geheimnisvolle Welt, die mit dem Bild „Feuerbarong“ und „Balinesische Götter“ eindrucksvoll einzufangen vermochte, offenbarte sich ihm. Doch jenes waren nicht die Motive, mit denen der junge Europäer in Asien seine zweite Lehre begann, mit dem er sein oft empfindendes Verlangen nach Freiheit und Anderssein stillen wollte. Auf dem Boden sitzend, die Leinwand über die eine Handfläche gebreitet, mit der anderen Hand den Tjanting führend, so drang W. B. Probst unentwegt in die Batikgeheimnisse ein, und alle seine Bilder sind damals auf diese schlichte Weise entstanden. Aus den ersten Versuchen resultierte eine Art „Kinderbatik“ mit heiteren Szenen aus der Asterix-Reihe oder anmutigen Kompositionen von bunten Schnecken. Erst nach diesen farblichen und formlichen Experimenten getraute er sich an die Batik typisch indonesische Prägung heran, die sich besonders durch seine abgestuften Braun-Farbtöne, die vielseitigen Formen, die im bestimmten Rhythmus aufgebaut sind, und eine reiche, zum Teil der Pflanzenwelt entlehnten Ornamentik auszeichnet. Zwei Jahre später (1975) kam W. B. Probst nochmals auf den indonesisch angehauchten Batik zurück, wobei er dieses mal eher Mandalaformen verwendete und teilweise abgewandelte Stempelmotive sowie eine viel breitere Farbenpalette wählte, als diese in Indonesien üblich war. Von Anfang an ging W. B. Probst seinen eigenen Weg.

Batik schaffen hiess für ihn, seine zweite, noch unbewusste Seite, eben die weiche, aufleben zu lassen. Inspiriert durch das einheimische Batiktum – dessen Stil er aber nie kopieren wollte – fand er verschiedene technische Varianten, um seinen Empfindungen und seinem Auge Ausdruck zu verleihen. Für ihn war allein schon der technische Aspekt einer Aufgabe Anreiz genug, etwas Neues, Eigenes zu versuchen, und mit Recht bestätigt ihm ein in Holland erschienenes Batikbuch überdurchschnittliche technische Fähigkeiten und selten gesehene Perfektion. (Miep Spee, „Traditionele en moderne batik“, Cantecleer bv, de Bilt 1977).

Deshalb sind alle seine in Indonesien vollendeten Batikbilder als Ergebnis seiner technischen Versuche anzusehen; es sind im weitesten Sinne Forschungsresultate, die deutlich auf das entsprechende Experimentierfeld hinweisen, zum Beispiel die Ornamentbatik, die Mosaik- oder Auffärbebatik oder auf das kombinierte Knüpf-Wachs-Verfahren. Vielfach steigert vermehrtes Einfärben die Wirkung eines Batikbildes; bis zu 24 Färbungen sind möglich Solch komplizierte Färbungsprozesse bedingen viel Übersicht und Vorstellungskraft und eine profunde Kenntnis der Farben, da ja das Batiken auf einer Negativtechnik beruht.

Im Folgenden werden auf den nächsten Seiten die wichtigsten von W. B. Probst angewandten Techniken kurz vorgestellt. Fortsetzung weiter unten…

Ornamentbatik

Das Jahr 1973 war für W. B. Probst eine der fruchtbarsten Batikzeiten. Er befasste sich mit verschiedensten Gattungen gleichzeitig, mit dem geometrischen, dem Akt- und dem Ornamentbatik. Beim Ornamentbatik werden Formenflächen mit regelmässig aneinander gereihten Ornamenten von variierender Gestalt gefüllt. Das Färben geschieht in der umgekehrten Reihenfolge als üblich. In dieser Batik Technik spielen die Farben bisweilen eine eher untergeordnete Rolle. Wichtig hingegen ist das Brechen des Wachses, das einen wesentlichen Bestandteil dieser Technik ausmacht. Ein Geflecht von haarfeinen „Rissen“ überzieht das Bild und verleiht ihm zusätzlich die Struktur, die in unseren Regionen am Batik besonders geschätzt wird. Der Ornamentbatik eignet sich vorzüglich für Leute, deren zeichnerische Fähigkeiten eher im Zusammenstellen von Ornamenten liegen. Auch in der Schule kann er ohne weiteres eingeführt und mit relativ geringem Zeitaufwand fertig gestellt werden, im Gegensatz zu den sonst üblichen zeitraubenden Auffärbungen. Der Ornamentbatik wirkt durch seine schlichte Eleganz und eignet sich bestens für modische Zwecke.

Mosaik- oder Auffärbe Batik

Hier werden die Farben von Hell nach Dunkel gefärbt, was der üblichen Batikmethode entspricht. Zu einer angrenzenden Wachsfläche wird eine Trennungslinie offen gelassen. Während die einzelnen Farbflächen mit Wachs schützend abgedeckt werden, nehmen die Zwischenräume (meistens Linien von verschiedenen Dicken) die Farbe jedes Bades auf. Sie dunkeln dabei nach bis zu Schwarz und schaffen nun den notwendigen Kontrast. Diese dunklen Konturen umrahmen die Farbflächen wie der Mörtel beim Mosaik die einzelnen Steine. Die Bilder machen deutlich, dass diese Technik bereits eine gewisse Erfahrung voraussetzt. Selten hat jemand zuvor es gewagt, mit so vielen Farben zu batiken. Die geometrischen Figuren als Endprodukt einer konsequenten Abstraktion, verkörpern mit ihren Strukturen und ihrer kühlen Logik nüchternes europäisches Denken. Sie beweisen, dass trotz der starken Einflüsse der Geist des Künstlers sich nicht dem Asiatischen, sondern immer noch dem Europäischen zugehörig fühlt.

Weiter zu der Technik des Skizzen Batik

 

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