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Interview mit Walter B. Probst über Schamanismus

07 Jan
Interview mit Walter B. Probst über Schamanismus

Mario Heeb (Sofa Redaktor) stellt Fragen:

1. Das Wort Schamanismus hat etwas Mystisches, Rätselhaftes an sich. Was erklärst du Zeitgenossen, wenn du ihnen Schamanismus erklären musst?

Schamanismus verstehe ich als das Erkennen des Bindegliedes zwischen unten und Oben. Himmel und Erde. Nagual und Tonal. Die Untere- ( vierte Dimension) , die Mittlere- ( dritte Dimension) und die Obere Welt (Fünfte Dimension). Das Reisen in diesen Welten ist ein Teil des Schamanismus. Der Schamane oder die Schamanin hat die Gabe in diesen Räumen  unterwegs zu sein, sodass er oder sie die Einsichten in diese Welten nutzen kann, um Harmonie, Gesundheit und Verbundenheit wieder herzustellen.

Der Schamanismus ist keine Religion. Mann trifft ihn in allen Regionen der Welt an. Er ist der Weg des Wissens (Körperwissen) über die Naturverbundenheit. Er ist nicht der Weg des Glaubens. Der Schamane ist kein Gläubiger, er ist ein Wissender. Dieses Wissen entspricht der Gebrauchsanweisung des Lebens, das seit vielen Tausenden von Jahren dieselben Gesetzesgrundlagen beinhalten, entsprechend den heiligen Gesetzen des Mikro- und des Makrokosmos. Dieses schamanische Wissen wohnt in jedem Menschen.

2. Woran ist ein Schamane erkennbar?

Ein Schamane ist in dem Sinne nicht erkennbar. Falls man ihn erkennt, erkennt man ihn nicht im was er tut, sondern wie er etwas tut. Er tritt nicht in das Schicksal oder Karma eines Menschen ein, ohne das er nicht gerufen wurde. Er ist Vermittler zwischen den Welten und hat kein Interesse, sich damit in der Öffentlichkeit zur Show zu stellen. Er dient einem grösseren Plan und ist in diesem Sinne in vielerlei Hinsicht ein Medium. Er hat kein Interesse, dass er erkannt wird, denn sein Auftraggeber sind nicht die Menschen. Wenn der Schamane überhaupt erkennbar ist, dann über sein Wirken und sein Tun.

3. Anscheinend kann der Schamane auch Seelenreisen unternehmen . . . für jemanden, der mit beiden Füssen im Leben steht, tönt dies eher nach Zauberei!

Diese Seelenreisen machen wir Menschen jede Nacht, leider oder zum Glück unbewusst. Jeder Traum beinhaltet Fragmente dieser Reisen. Unsere Seelen sind reisende Seelen. Der Schamane ist ein Träumer und kann bewusst seine Träume steuern und erleben. Die Grundlage, um mit beiden Füssen auf der Erde oder im Leben zu stehen , kommt aus einer intakten Seelenverbindung. Diese Verbindung ist ein Link zu unserer Ganzheit, die wiederum mit den verschiedenen Welten verbündet ist. Nicht bei allen Menschen sind die Seelenverbindungen einwandfrei. Einen Seelenanteil zurück zu holen ist keine Hexerei, wurde allerdings vor ein paar Jahrhunderten mit dem Feuertod beglichen.

4. Schamanen werden auch Heilkräfte nachgesagt. Was können diese heilen?

Er oder sie ist Heiler und doch nicht. Er vermag Disharmonie in Harmonie zu wandeln, ohne das er sich an der Disharmonie (Krankheit) festhält. Seine Vision ist die Gesundheit, die er auch zu manifestieren vermag. Er weiss von den Heiligen und Kosmischen Gesetzen, die in aller Natur eingebettet sind. Dadurch hat er die Fähigkeit, den natürlichen Zustand wieder herstellen, den wir mit unserem Verständnis einer Heilung gleichsetzen. Durch das herstellen dieses natürlichen Zustandes werden Erreger aller Art ausgeräumt, die wiederum aller Art von Krankheiten erzeugen. Kein Schamane „heilt“, wenn nicht vom „Patienten“ die krankmachenden, emotionalen Gewohnheiten geändert werden, die verantwortlich für die Disharmonie sind. Für den Schamanen gibt es das Wort unheilbar nicht. Heil und heilig sind untrennbar. In sich trägt jede Krankheit eine Lehre. Wird die Lektion gelernt ist die Gesundheit nah. Wird sie nicht gelernt, bleibt sie „unheilbar“.

5. Bei den Schamanen wird auch Jesus als einer von ihnen angesehen. Was würde da wohl Jesus selber dazu sagen?

Ja, so ist es. Jesus hatte nicht das geringste Interesse aus seinem gelebten Wissen eine Religion zu machen die auf der Grundlage vom Glauben aufgebaut ist. Der Glaube glaubt, weil er nicht weiss. Für den Schamanen ist Unwissenheit Ignoranz die nicht nach Unabhängigkeit und Eigenverantwortung trachtet.

Jesus Sananda hat gesagt: wisset, ihr werdet grössere Werke tun als ich sie getan! Könnte das eine Auforderung an unseren inneren Schamanen oder unsere innere Schamanin sein, zu erwachen?

6. Welche Orte sind für den Schamanen heilig?

Alle Orte sind heilig. Die göttliche Schöpferkraft wohnt in allem. Der Schamane ist Hüter der fünf Welten der Grossmutter Erde. Die 1. Welt der Mineralien und der Metalle, die 2. Welt der Pflanzen und Meisterpflanzen, die 3. Welt der Tiere und Mystischen Tiere, die 4. Welt der vier Menschenrassen und der Regenbogenmenschen und die 5. Welt der Ahnen und aufgestiegenen Meister.

7. Was für Werkzeuge werden benutzt?

Alle Werkzeuge haben einen direkten Bezug zur Chemie des Wissens. Rasseln, Trommeln, Fächer und Federn, Kristalle, Kräuter zum Räuchern, Felle, Krallen und Tiermedizin und vieles mehr sind Hilfsmittel und Werkzeuge. Die heilige Pfeife ist das Geschenk der weissen Büffelfrau und ermöglicht dem Träger eine Kommunikation mit den Kräften der Welten. Das kraftvollste Werkzeug aber ist sicher die enorme Vielfalt der eigenen Stimme, die in verschiedener Hinsicht zum Einsatz kommt. Auch ist es möglich, nur mit den körpereigenen Resourcen zu arbeiten, ohne irgendwelches Werkzeug oder Hilfsmittel, denn die Hände vermögen vieles. Die Imagination ( I magi natione = ich bin der Zauberer) ist das Kraftvollste, was dem Schamanen zur Verfügung steht. Als Kanal und Medium öffnet sich der oder die Schamanin und erhält Hilfe und Unterweisung aus der Nagual Welt.

8. Welche Rolle spielen Tiere im Schamanismus?

Die Tiere wohnen in unseren  Herzen. Sie lehren uns die Herz zu Herz Kommunikation. Jedes Tier lehrt den Menschen eine bestimmte emotionale Qualität. Der Hund zum Beispiel steht für Loyalität und genau das lehrt er den Menschen. Jeder Mensch hat von Geburt an Tierverbündete, die in seinem Leben irgendwann eine wichtige Rolle spielen werden. Ob bewusst oder unbewusst sind die Tiere unsere Verbündeten, die uns helfen, auf der Spirale des Lebens höher zu steigen. Dem Landesfürsten steht der Hermelin zu, damit er die Übersicht über die Dinge behält und dem Feind in die Karten schauen kann. Der Hermelin ist die Tier-Medizin für Könige und Fürsten.

9. In vielen Autos hängen sogenannte Traumfänger, die gerne mit dem Schamanismus in Verbindung gebracht werden. Was hat das auf sich?

Traumfänger geben uns den Spiegel wer wir sind, eben Traumfänger. In unserer Kultur ist es aber nicht erlaubt zu träumen, da anscheinend Träume keine Wirklichkeit in unserer zivilisierten Welt erschaffen. Aus der schamanischen Sichtweise ist aber alles erträumt. Jedes Haus, jedes Geschäft, jedes Dorf und jede Stadt. Jeder Wunsch wird über den Emotionalkörper erträumt, bis er sich manifestiert. Der Schamane ist ein Träumer, der seine Träume wachtanzt und sie sichtbar macht. Der Traumfänger zeigt die Spiralbewegung, die der Evolution zu Grunde liegt. Der Hinweis des Schamanen ist: erwache in deinem Heiligem Traum und verbinde dich mit dem grossen kollektivem Traum und erkenne wer und was du bist!

10. Welche schamanischen Rituale kann der Laie problemlos zu Hause durchführen? (Beispielsweise sich bei der Mutter Erde für die Nahrung bedanken . . . . )

Dankbarkeit fürs Leben öffnet neue Dimensionen, Dinge und Zusammenhänge zu erkennen. Viele Zeremonien beinhalten das Anrufen der 20 grossen Kräfte, die im Universum und in unserer Schöpfung aktiv sind. Dazu gehören die fünf heiligen Elemente, die Grundlage für unser Leben sind. Das Element des Wassers, der Erde, des Winds, des Feuers und die Leere. Das Wissen der Medizin Räder bereichert jede Zeremonie. Ohne Wissen gibt es keine Verbindung zu den grossen Zusammenhängen. Einfache Zeremonien sind Baumzeremonien, die eine grossartige Wirkung haben, denn die Bäume haben einen direkten Bezug zu unserem Emotionalkörper. Um Zeremonie zu machen ist es sehr sinnvoll das Haus zu verlassen, um sich in der freien Natur einzuklinken.

11. Wie erkenne ich einen Kraftort? Wie soll ich mit einem Kraftort umgehen? Pflege eines Kraftortes? Wozu braucht es Kraftorte?

Jede Kirche und Kapelle steht auf einem Kraftort. Diese Orte haben einen harmonischen Energiefluss der über das Ein- und Ausatmen der Mutter Erde entsteht. Sie helfen uns Menschen unsere Kraft zu erfühlen und zu erkennen, zeigen uns unser latentes Potenzial und unser Verbunden-sein, das wir naturgegeben in uns tragen. Der Kraftort hilft mir meine eigene Kraft zu erfahren und mich zu erinnern (Er innen). Ein Wärmegefühl im Bauch ist eine positive Antwort auf die Frage.

12. Du arbeitest mit verschiedenen schamanischen Riten . . . Beispiele? (Schilderarbeiten)

Die Schilder Arbeit die ich mache, bringt dem Menschen die grundlegende Familie die in uns wohnt, zurück. Diese Schilde spielen in unserer Chemie eine sehr wichtige Rolle. Sie helfen uns, in die persönliche Magie der Veränderung zu treten und sind Grundvoraussetzung, um erfolgreich die eigene Geschichte umzuschreiben.

Über das schamanische Gespräch erkenne ich wie Probleme genährt werden und wie sie verändert werden können. Zeremonien oder das schamanische Arbeiten nehmen dadurch meistens einen individuellen Charakter an.

13. Schwitzhütten sind ein wichtiges Ritual, was passiert da?

Die Schwitzhütte ist eine der weiblichsten Zeremonien, die es gibt und wird immer zu Ehren unserer Ahnen durchgeführt. Es ist eine kollektive Zeremonie, wo bis zu 20 Leute in einer Hütte sich zusammenfinden, um in ihrem Leben neue Absichten und Vereinbarungen zu treffen. Es ist eine Zeremonie wo altes stirbt und neues geboren wird. Der Tod ist der verbündete der schamanischen Arbeit. Tod gibt Wiedergeburt, Wiedergeburt gibt Leben, Leben gibt Bewegung, Bewegung gibt Veränderung, Veränderung gibt Chaos und Chaos wiederum gibt Tod. Und so fort. Diese sechs heiligen Gesetze sind Grundlage jeder dauerhaften Veränderung.

In die Schwitzhütte werden Steine, die im Feuer erhitzt wurden, gebracht. Symbolisch stehen die Steine für die männliche Samenenergie von Grossvater Sonne. Als neue Vision werden sie in den Schoss von Mutter Erde gelegt, aus der neues Leben geboren wird. In der Hütte werden die 20 grossen Kräfte eingeladen um mit zu tanzen und die Menschen in ihrer Veränderung zu unterstützen. Wasser wird bei jeder Anrufung auf die heissen Steine gespritzt, was die inneren Emotionen zum Schwitzen bringt. Das Feuer in den Steinen berührt und löst die inneren Visionen, die, die man weggibt und die, die Mann oder Frau neu in ihr Leben bestimmen. Es gibt Frauen-, Männer- und gemischte Hütten. Alle haben sie eine bestimmte Absicht und Ausrichtung. Geschwitzt wird nackt, denn das ist unser Geburtskleid, das es anzunehmen gilt.

Die Schwitzhütte ist nach den Nagual Gesetzen gebaut und hat eine eigene Chemie. Sie ist aus Haselstecken gebaut und wird dreilagig mit Decken abgedichtet. Dazu kommt die Feuerstelle und der Altar der beides verbindet. Hier begegnen sich Grossvater Sonne und Grossmutter Erde im grossen Liebesspiel um den Menschen zu einer neuen, kleinen Geburt zu verhelfen, die ermöglicht Altes los zu lassen.

14. «Altes Wissen» hiess der Kurs, den du im Stein Egerta gegeben hast. Was hast du da weitergegeben? Gibt¹s wieder Kurse?

Es ist meine Absicht in meinen Kursen Menschen darin zu unterstützen, mehr Verständnis für ihre Sache zu bekommen und grössere Zusammenhänge zu erkennen. Die Bühne ist  das Leben. Die Schauspieler (Tyrannen) habe ich mir selber herbeigeträumt. Die Eltern mit Umgebung habe ich mir selber ausgesucht. Alles ist ein Spiegelkabinett das mich auffordert darin zu lesen. Ein umfassendes, altes Wissen (35 000 Jahre alt) habe ich mir in den letzten 12 Jahren geholt und zu einem Teil Schritt für Schritt integriert, jetzt räsoniert das Körperwissen. Dieses Wissen ist in uns allen vorhanden und wartet nur darauf von uns erweckt zu werden. Ich muss es selber tun, nie wird es jemand anders für mich machen. Dieses Wissen der süssen Medizin hat mir geholfen, mein Leben zu verändern, darum gebe ich es weiter. Kurse werde ich im Herbst wieder anbieten. Für Einzelgespräche und schamanische Arbeit bin ich immer offen.

15. Einige Worte über dich . . . .

Mein Leben hat mich vor die Tatsache gestellt, dass ich mich verändern musste. Ärzte haben mich mit 19 Jahren als unheilbar krank diagnostiziert (Morbus Bechterew). Das bedeutete für mich, neue Wege zu finden und mich von der Schulmedizin zu lösen. Meine Gebete wurden erhört und ich fand vor 1993 den ersten Kontakt zum Wissen der süssen Medizin der Schamanen. 7 Jahre war ich aktiv als Lehrling unterwegs, wodurch ich das Verständnis für meine Krankheit und deren Lehre bekam.

Ich erweiterte meine einst einfältige Wahrnehmung in eine neunfältige. Diese liegt dem Medizinrad zu Grunde und deren Choreographie.

Heute, nach jahrelanger, emotionaler Kleinarbeit habe ich meine Sache, betreffend Heilung, abgeschlossen. Unheilbares ist für mich heilbar, denn Veränderung ist im Leben das Natürlichste.

Sei 1970 arbeite ich als Freischaffender Künstler, mit dem, was mir immer am nächsten stand, dem Schmieden von Skulpturen und dem Stellen von Kristallen, dem Malen von Bildern und dem Spielen des Didgeridoo. Das Didge hat mir zusätzlich während vielen Jahren gedient, durchlässiger zu werden und mich in neue Schwingungen zu versetzen. Schamanismus ist für mich, gleich wie die Kunst und Klang, Nahrung für meine Seele. Alles ist einmalig und neunfältig.

16. Gibt es in der Schweiz, in unserer Region Schamanen?

Ich arbeite schamanisch, bin aber deswegen noch kein Schamane. Ich kenne viele Menschen, die ähnlich unterwegs sind. Jeder traditionell gelebte Schamanismus bedarf einer Ahnenlinie, die nur über die Initiation begangen werden kann. Bei uns fehlen diese Ahnen. Sie werden erst jetzt erweckt, durch schamanisch Arbeitende. Ich kenne niemanden in der Region, was aber nicht heissen soll dass es hier keine Schamanin oder Schamanen gibt. Im Gegensatz zu früher ist es heute leichter, einen echten Schamanen zu treffen. Der Zeitgeist hat die Schamanen gebeten, ihr geheimes Wissen für die Menschen zu öffnen, damit ein Erwachen und eine globale Harmonie entstehen kann. In vielen von uns schlummert das schamanische (Körper- ) Wissen und ruft wach auf, wach auf!

Danke!

 
2 Kommentare

Verfasst von - 7. Januar 2015 in Schamanismus

 

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2 Antworten zu “Interview mit Walter B. Probst über Schamanismus

  1. Mona Abboud

    27. Juni 2015 at 8:06

    Lieber Walter,
    ich danke Dir sehr für Deine Worte! So einfach und von klarer Schönheit!
    Sie rufen das alte Wissen wach und verknüpfen und weben Linien und heilige Netze..
    Ich grüße und achte Dich
    Mona

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